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Projektbeschreibung

Aufbau eines Informationssystems für Wasserzeichen in den DFG-Handschriftenzentren

Wasserzeichen-Collage der Startseite
Wasserzeichen-Collage der Startseite

Seit dem 1.2.2010 fördert die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) den Aufbau eines gemeinsamen Informationssystems für Wasserzeichen in den DFG-Handschriftenzentren. Die erste Phase des Projekts lief bis zum 31.1.2012, der Fortsetzungsantrag wurde im April 2012 bewilligt und sieht eine weitere Förderphase für die Dauer von zwei Jahren vor.

In das Kooperationssprojekt sind sowohl nationale als auch internationale Partner eingebunden. In der ersten Förderphase (2010-2012) beteiligten sich zunächst neben dem Landesarchiv Baden-Württemberg (LABW) die Württembergische Landesbibliothek (WLB) Stuttgart, die Bayerische Staatsbibliothek München (BSB), die Universitätsbibliothek Leipzig (UBL) sowie die Kommission für Schrift- und Buchwesen an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften in Wien (ÖAW). In der zweiten Förderphase (2012-2014) treten zusätzlich zwei neue Partner hinzu: Die Staatsbibliothek zu Berlin (Handschriftenabteilung) (SBB) sowie die Deutsche Nationalbibliothek in Leipzig (DNB) mit der umfangreichen Wasserzeichensammlung des Deutschen Buch- und Schriftmuseums.

Informationen und Kontaktadressen der einzelnen Partner:

Durchreibung
Durchreibung

Ziel des Projekts ist der Aufbau eines gemeinsamen Informationssystems für Wasserzeichen, in das digitalisierte Abbildungen von Wasserzeichen mit ihren Metadaten (Motiv, Beschreibort, Trägerhandschrift etc.) dezentral eingegeben werden können. Das System standardisiert den Aufbau und die Verwaltung einer digitalen Wasserzeichensammlung und macht diese über einen zentralen Zugang im Internet für die Wissenschaft nutzbar. Im Rahmen des Projekts wurde zunächst ein Pflegemodul für die dezentrale Dateneingabe geschaffen, wozu eine bereits bestehende Software der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, der "Watermark Toolkit" (Victor Karnaukhov), der auch im renommierten EU-Projekt Bernstein Verwendung fand, an die Bedürfnisse der deutschen Handschriftenzentren angepasst wurde.

Gemeinsame Erschließungsnormen und eine hierarchische Klassifikation bilden die Grundlage für eine homogene Erschließung, die Integration einer multilingualen Terminologie spricht einen internationalen Benutzerkreis an.

Betaradiographie
Betaradiographie

Für die Darstellung im Internet wurde ein frei zugängliches Online-Präsentationssystem entwickelt. Dabei kann auf das bereits bestehende Frontend von "Piccard-Online" aufgebaut werden, das jedoch mit zusätzlichen Funktionalitäten wie einer geografischen Visualisierung versehen wurde. Unter der Internetadresse www.wasserzeichen-online.de sind bisher rund 103.000 digitalisierte Abbildungen von Wasserzeichen mit ihren Metadaten erfasst. In der nun begonnenen zweiten Projektphase werden weitere 28.000 Zeichen aus bislang nicht erschlossenen Sammlungen hinzu kommen. Homogene Erschließung und ständige Erweiterung machen WZIS damit zu einer zentralen Datenbank für die Wasserzeichenforschung.

Reinzeichnung
Reinzeichnung

Die Erschließung im Verbund hat weiterführendes Potential, denn neben der Handschriftenkunde hat die Wasserzeichenexpertise in vielen geisteswissenschaftlichen Disziplinen ihren festen Bestandteil, etwa in der Philologie, der Geschichtswissenschaft, der Kunstwissenschaft, der Musikwissenschaft oder der Buchwissenschaft. Auch für Restaurierungsanliegen und den Antiquariatshandel liefert die Untersuchung und Interpretation von Wasserzeichen wichtige Erkenntnisfortschritte. Die Datenbank ebnet den Weg zu einer fächer- und institutionenübergreifenden Verständigung über Fragen der Erschließung, Dokumentation und Auswertung von Wasserzeichen.

Neben der Erschließung neuer Wasserzeichen wurden die über 90.000 Datensätze der "Piccard-Online"-Anwendung integriert. Vorgesehen ist auch die Einbindung der digitalisierten Wasserzeichen der gedruckten Piccard-Bände 3-17. Beide basieren auf der Wasserzeichensammlung Gerhard Piccard, die weltweit die größte ihrer Art ist.

Originalpause
Originalpause

Der im April 2012 von der DFG bewilligte Fortsetzungsantrag sieht neben der Erweiterung um neue Kooperationspartner eine inhaltliche Ausweitung sowie mehrere technische Neuerungen vor. Inhaltlich wird durch eine verstärkte Fokussierung auf datierte und lokalisierte Papiere ein erheblicher Qualitätsgewinn erreicht und durch die Erfassung von zeitlich bis weit in die Neuzeit hineinreichenden Papieren werden neue Akzente gesetzt.

Zusätzlich zur Präsentation der Daten im Frontend des Informationssystems sind Verlinkungsmöglichkeiten auf externe Datenbanken, wie z.B. die Wasserzeichen des Mittelalters oder Manuscripta Mediaevalia möglich. Das Wasserzeichen-Informationssystem kann damit als Aggregator fungieren.

Klassifikation
Klassifikation

Die technische Erweiterung ermöglicht es, zu einem Wasserzeichen mehrere Digitalisate, z.B. Wasserzeichen und Gegenmarke, Fragmente und die Ergebnisse verschiedener Aufnahmeformate, zu hinterlegen. Lagenschemata können hochgeladen werden und sollen dem Nutzer einen besseren Überblick über die Handschriften geben. Die geographischen Angaben sollen durch die Referenzierung der Papiermühlen vervollständigt werden. Eine Wortliste soll es ermöglichen, bei komplexen Motiven die Wasserzeichen unabhängig von der Klassifikation in ihren Bestanteilen zu beschreiben und somit besser recherchierbar zu machen. Im Bereich der Klassifikation und der Wortliste sowie des Webfrontends wird die Mehrsprachigkeit des Projektes erheblich erweitert.

Kartenansicht
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